FIFA 12 im Test

Dunkel Hell
FIFA 12 im Test

Seit nun mehr 18 Jahren begleitet uns die „FIFA“-Serie durch die Videospielgeschichte. Dabei brachte jeder neue Ableger sinnvolle Neuerungen und mit jeder neuen Konsolengeneration eine neue Grafikengine. Dieses Jahr geht EA Sports mit FIFA 12 an den Start und versucht dem realen Fußball wieder ein Stück näher zu kommen.

Zuerst fällt das neue Design des Hauptmenüs auf. Alle Menüpunkte sind jetzt am unteren Bildschirmrand nebeneinander angeordnet und lassen sich durch seitliches Scrollen anwählen. Hier fällt auf, dass die Menüführung weit aus flüssiger abläuft und die neuen Online-Spielmodi „Freundschaftsspiel“ und „Mann gegen Mann: Saisons“ sehr gut durch ein rotes, fettes „NEU“ gekennzeichnet sind.

Unten rechts im Menü findet ihr eure „EAFC“ Level Anzeige. Mit einem Druck auf die Select-Taste gelangt ihr zur ausführlichen Übersicht. Hier könnt Ihr euren Level mit euren Freunden vergleichen oder vorgegebene Herausforderungen spielen. Durch das Spielen der Herausforderungen und generell aller Spielmodi erhaltet Ihr pro abgeschlossenem Spiel Punkte, die Euren Level steigen lassen. Leider hat dieser keinerlei Auswirkungen.

Aber als erstes solltet Ihr euren Pro erstellen. Hier hat sich zum Vorgänger nichts verändert. Wieder könnt Ihr euren Namen sowie Alter und Verein angeben, danach die bevorzugte Position und dann das Aussehen. Wenn Ihr es hier ganz genau haben wollt, könnt Ihr eurer persönliches „Game Face“ herunterladen und schon seht ihr euch selbst im Spiel. Habt Ihr das erledigt, könnt Ihr euren Pro in allen Offlinespielen aufstellen und ihn von Spiel zu Spiel verbessern, indem Ihr vorgegebene Leistungen erfüllt. Erst wenn euer Pro eine gewisse Stärke erreicht hat, empfiehlt es sich an den „Pro Club“-Onlinespielen teilzunehmen. Hier könnt Ihr euren eigenen Verein erstellen und ihn mit eurem Pro und den von anderen Spielern füllen. Danach bestreitet Ihr zusammen Spiele gegen menschliche Gegner, wobei jeder Spieler aus dem Club nur einen Spieler in der Mannschaft steuert. Genauer gesagt seinen eigenen Pro. Hier kommt es dann auf Kommunikation und Teamplay an.

Erstmalig ist auch der Modus „Fifa Ultimate Team“ von Anfang an im Spiel erhältlich. Hier sind alle im Spiel erhältlichen Spieler als Spielkarten erhältlich. Neben den Spielerkarten gibt es noch Managerkarten, Trainingskarten, Vertragskarten, Trikotkarten und Stadionkarten. Am Anfang bekommt Ihr ein Kartenpaket, in dem Ihr eure ersten Karten findet. Weitere Karten kauft Ihr euch dann im internen Shop. Bezahlt wird mit Münzen, die Ihr durch das Spielen von On- oder Offlinespielen erhaltet. Je nach Qualität unterscheiden sich die Karten in Bronze-, Silber- und Goldkarten. So baut Ihr euch langsam euer eigenes Dreamteam zusammen und treibt den Mannschaftswert in die Höhe.

Der neue „Mann gegen Mann: Saison“-Onlinemodus ist im Grunde der gleiche Modus wie im Vorgänger. Ihr bestreitet Onlineranglistenspiele im einfachen Spielmodus gegen menschliche Gegner. In „Fifa 12“ wurde das Ganze jetzt noch hübsch verpackt. Ihr startet in der 10. Liga und habt zehn Spieltage Zeit, um das Aufstiegsziel von 12 Punkten zu erreichen. Schafft Ihr das nicht, startet Ihr die nächste Saison in der gleichen Liga. Richtig interessant wird es, wenn Ihr den ersten Aufstieg in die 9. Liga geschafft habt. Denn hier habt Ihr ein Mindestziel von acht Punkten, um die Klasse zu halten und das schon bekannte Aufstiegsziel. Ein großer Vorteil ist, dass in der Gegnersuche nur Spieler aus eurer Liga und Teams mit gleicher Sternewertung berücksichtig werden. So könnt Ihr bedenkenlos eure Lieblingsmannschaft nehmen, auch wenn es sich um ein Zweitliga-Team handelt.

Im „Freundschaftsspiel“-Onlinemodus könnt Ihr Saisons aus zehn Spielen gegen eure Freunde spielen. Wer nach zehn Spielen die meisten Punkte gesammelt hat, wird Meister und dann startet die nächste Saison.

Kommen wir jetzt zum eigentlichen Gameplay. Ganz groß angekündigt wurde die neue „Impact Engine“, die es ermöglicht, dass sich die Spieler bei Körperkontakt realistisch zu Boden bewegen. So die Theorie. In der Praxis sieht das alles ein wenig anders aus. Die Bewegungen sehen eher albern als realistisch aus. Wenn Ihr einen Gegenspieler umgrätscht, dann macht dieser ganz gerne mal einen Salto oder eine Pirouette. Hier besteht auf jeden Fall noch Verbesserungsbedarf! Zweite Neuerung ist die „Tactical Defending“-Steuerung. Diese wird euch beim ersten Spielstart in einem interaktiven Tutorial erklärt. Hier wird die bekannte Zwei Tasten-Verteidigungssteuerung auf vier Tasten verteilt. Leider erweist sich diese als recht kompliziert. Wenn Ihr hier im falschen Moment das Tackling versucht, ist der Gegner an euch vorbei und steht im schlimmsten Fall frei vor eurem Keeper. Für Alteingesessene lässt sich diese Neuerung aber in den Optionen abstellen und alles ist wie gewohnt. Großer Nachteil: online könnt Ihr nur die neue Abwehrsteuerung benutzen.

Ein weiterer großer Kritikpunkt ist die Pass- und Trickfähigkeit des CPU-Gegners. Selbst auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad kommt der Moment im Spiel, wo der Gegner sich problemlos den Ball hin- und herschiebt, bis er vor eurem Strafraum steht. In dieser Zeit ist es für euch fast unmöglich den Ball zu bekommen. Bevor Ihr mit eurem Abwehrspieler den ballführenden Spieler erreicht, spielt dieser den Ball weiter oder weicht eurem Tackling mit ein bis zwei Körpertäuschungen aus. Wenn Ihr dadurch auch noch ein Tor kassiert, wird es schnell frustrierend. Seid Ihr dann selbst im Angriff, sieht es ganz anders aus. Wenn Ihr es einmal schafft, an einem Gegner vorbei zu gehen, ohne dass er euch mit Leichtigkeit den Ball abnimmt und ihr frei auf das Tor zulauft, kommt von irgendwo her ein Abwehrspieler mit übertriebenem Tempo und nimmt euch vor dem Schießen den Ball ab oder wirft sich in den Schuss. Was auch sehr negativ auffällt sind die Fouls. So gut wie jeder kleinster Kontakt bringt dem Gegner einen Freistoß. Ihr selbst werden teilweise umgeholzt wie nichts Gutes und der Schiri lässt das Spiel eiskalt weiter laufen. Da kommt man sich dann sehr oft benachteiligt vor. Stellt man dann noch den Schwierigkeitsgrad auf „Weltklasse“ oder „Legende“, wird das Ganze noch schlimmer. Hier ist es egal gegen welchen Verein Ihr spielt, der Gegner ist immer schneller, stärker und genauer. Da werdet Ihr dann mal eben von einem Stürmer einer kleinen Popelmannschaft in Grund und Boden gelaufen und gedribbelt. Das ist wirklich schade, denn ein höherer Schwierigkeitsgrad sollte eigentlich fordern und nicht verzweifeln lassen.

Als Ausweichmöglichkeit gibt es da ja noch die Onlinemodi. Aber auch diese lässt zu wünschen übrig. Starkes Ruckeln trotz bester Verbindung, jede Menge Gegner, die vorzeitig das Spiel verlassen, wenn sie in Rückstand geraten und gegnerische Torhüter, die fast jeden Ball halten, sorgen auch hier für Frust. Das gesamte Spielgefühl ist ganz anders als in den Offlinemodi. Die eigenen Spieler reagieren verspätet oder gar anders als gewollt auf eure Controllereingaben und durch das „Tactical Defending“ ist es sehr schwer den Gegner vom Ball zu trennen, so dass dieser meist einfach durch eure Abwehr dribbelt.

Natürlich gibt es nicht nur Negatives zum Gameplay zu berichten. Die Animationen sehen mal wieder top aus, abgesehen von den Stürzen durch die „Impact Engine“. Es gibt jetzt schnelle Einwürfe. Wenn der Ball ins Aus geht, schnappt sich der Spieler sofort den Ball und man kann einwerfen. Wenn der eigene Torwart den Ball eines Gegners mit dem Fuß annimmt, kann er ihn nachträglich mit den Händen aufnehmen – was z. B. beim Zeitspiel hilfreich sein kann.

Im Karrieremodus, wo Ihr in mehreren Jahren euren ausgewählten Club ganz nach oben spielt, gibt es auch sinnvolle Neuerungen. So könnt ihr jetzt Jugendcamps in der ganzen Welt errichten und gezielt nach Talenten Ausschau halten. Habt Ihr ein paar gefunden, könnt Ihr sie in Eure Jugendmannschaft aufnehmen, wo sie sich weiterentwickeln, um irgendwann von Euch in die erste Mannschaft berufen zu werden. Eine Mannschaft lebt aber nicht nur von der eigenen Jugend sondern auch von Transfers. Hier fällt sehr schnell auf, dass andere Vereine jetzt viel mehr Handeln und euch auch viel mehr Angebote für eure Spieler machen, selbst wenn diese nicht zum Verkauf stehen. Am Ende jeder Transferphase werden jetzt die letzten 12 Stunden im Stundentakt runtergezählt. In dieser Zeit könnt Ihr letzte Transfers abschließen, bevor der Markt schließt.
Fazit:
Wenn man ehrlich ist, handelt es sich bei jedem neuen „FIFA“ um ein Update des Vorgängers. Die Lizenzen wurden aufgefrischt, ab und an die Grafik ein wenig verbessert, die Menüs umgestaltet und ein paar Neuerungen eingebaut. Alles Dinge, die man auch mit einem größeren Patch nachliefern könnte. Aber dennoch gibt es jeden Jahr einen neuen Ableger, der auch fleißig verkauft wird. Dieses Jahr ist Fifa weder wirklich besser noch schlechter geworden. Es gibt sinnvolle Neuerungen, aber auch ein paar nervende Eigenschaften. Den größten Spielspaß hat man, wenn man gemeinsam mit Freunden an einer Konsole spielt. Hier entfaltet sich das ganze Potential. Keine überpowerten CPU-Gegner und auch keine Probleme wie im Onlinemodus. Wer noch keinen Teil der Serie besitzt, ist mit „FIFA 12“ sehr gut bedient. Für Besitzer des Vorgängers ist es eine Frage des Geldes, ob man sich den direkten Nachfolger holt.

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