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Xbox 360 Review: Halo 3 ODST

8. Februar 2010 von: Duckterpepper
Review: Halo 3 ODST

Addon oder vollwertiger Nachfolger? Kann ein Halo Spiel ohne den Masterchief funktionieren? Diese und weiteren Fragen gehen wir in unserem Test zu HALO 3 ODST auf den Grund.

Seinen Ursprung nahm das vorliegende Spiel als geplantes Addon für Halo 3. Da sich eigentlich alles gut verkauft, wo Halo draufsteht, entschied man sich schlußendlich dazu, das Addon als Stand-Alone-Spiel herauszubringen. Damit man für eine nur ca. 5 Stunden lange Solokampagne den Vollpreis verlangen kann, haben die Entwickler noch einiges an Goodies beigelegt. Neben einem neuen Multiplayer-Koop-Modus namens „Firefight“ liegt dem Spiel auch eine zweite DVD bei, die den beliebten Halo 3 Multiplayer-Modus inklusive aller Maps enthält. Auf den ersten Blick eine gute Idee, so kommen auch Halo Neulinge in den Genuss des genialen Multiplayer-Modus, der wie kein Zweiter die XBOX-Online-Community geformt hat.

Der Kampagne von ODST merkt man den Addon-Charakter jedoch zu jeder Sekunde an. Sie macht sich zu keiner Zeit die Mühe, Neulingen auch nur irgendwas zu erklären. Wer sind diese Aliens? Warum sind wir mit ihnen im Krieg? So macht das vorliegende Spiel wiederum nur für Halo-Fans Sinn, die Halo 2 und Halo 3 gespielt haben. Für die ist die beigelegten Disc mit dem Halo 3 Multiplayer also so gut wie überflüssig.

Bleibt als einzige Gemeinsamkeit der neue Multiplayer-Modus „Firefight“. Dieser kooperative Modus ist dann auch das Herzstück und eigentliche Highlight. Ähnlich dem „Horde“ Modus aus einem sehr bekannten, aber indiziertem Spiel von Epic spielen wir hier mit bis zu 3 Mitspielern Seite an Seite gegen die Allianz und versuchen Welle nach Welle von heranströmenden Aliens abzuwehren. Halotypisch kommen hier auch wieder die beliebten „Schädel“-Modifikationen ins Spiel, die sich in bestimmten Intervallen aktivieren und uns unser Leben z.B. dadurch erschweren, dass Sie unseren Feinden Boni schenken, wie zum Beispiel die Fähigkeit, schneller auszuweichen, mehr Granaten zu werfen oder einfach weniger verletzlich sind. Das läßt jede Runde abwechslungsreich und spannend werden und erfordert vorallem in den hohen Schwierigkeitsgraden ein geschicktes und eingespieltes Team. Vorallem in Verbindung mit den Fahrzeugen bergt dieser Modus eine große Portion Spielspaß und wird noch lange auf XBOX Live aktive Spielerrunden zeigen. Ein neuer Multiplayer-Klassiker!

Die Story der Kampagne läßt sich zum Glück auch mit 4 Spielern im Koop bestreiten und bietet gewohnte Halo Kost. Einzig großer Unterschied: Natürlich fehlt der Masterchief und wir spielen die Namensgebende Squad „ODST“, was für „Orbital Drop Schock Trooper“ steht. Zeitlich ist die Geschichte, bzw. die Geschichten um die Mitglieder dieser Gruppe während der Handlung von Halo 2 angesiedelt, kurz nachdem der Prophet des Bedauerns innerhalb von Neu Mombasa in den Slipspace gesprungen ist. In Neu Mombasa beginnt dann auch die erste Geschichte, die so etwas wie die Rahmenhandlung für die einzelnden Episoden liefert. Wir irren als Rookie durch die fast leergefegten, dunklen Straßen von Neu Mombasa und suchen unsere verlorenen Kameraden. An bestimmten Stellen, als wir auf einen zerbrochenen Helm stoßen, der mit Wucht in einer Wand steckt, wird die Geschichte um dieses Teammitglied in Form einer Rückblende erzählt. Diese Kapitel unterscheiden sich nicht nur optisch sehr stark von der Stimmung und Atmosphäre in Neu Mombasa. Die Rückblenden werfen uns meist direkt ins Geschehen und gehen voll zur Sache. Das Nachtsichtgerät, welches uns in den Straßen von Mombasa gute Dienste leistet, weil es Feinde mit einer Roten Umrandung sichtbar macht, taugt bei hellem Tageslicht erwartungsgemäß gar nichts, was wirklich Schade ist, denn die Tron-ähnliche Ästhetik hat es mir wirklich angetan. Ein wirklich gut umgesetztes Feature, nur rennen in den Straßen so gut wie keine Feinde mehr rum, so dass es spieltechnisch wenig Verwendung findet. Nach dem Ende einer Episode, die mit der Auflösung, wie z.B. der Helm in der Wand stecken blieb aufgelöst wird, spinnt sich der Storyfaden zurück nach Neu Mombasa und wir sehen auf einmal wieder nichts, weil alles viel zu Dunkel ist. Dieses Wechselspiel zwischen ruhigen Momenten und voller Actionladung ist im Ansatz gut, die Suche nach der nächsten Rückblende ist aber leider so eintönig und trostlos geraten, dass man sich wünschen würde, diese Abschnitte trotz der Nachtsichtgerätes überspringen zu können. Besonders nervig wird es, wenn man das Item nicht findet und minutenlang fluchend durch den ausgestorbenen Level umherirrt um zum nächsten Kapitel zu kommen. Darüber helfen auch die Tonbänder nicht hinweg, die man als Collectibles finden kann, in der eine komische Frau seltsames Zeug aus einem Tagebuch vorliest, das für Spieler, die Halo nicht von Anfang an verfolgt haben und alle Teile, Comics und sonstige Infos kennen, wohl nur müde Gähnen lassen.

Spieltechnisch ist Halo 3 ODST ein solider Shooter in einem bekannten Universum mit wenig Neuerungen. Natürlich gibt es auch die üblichen Waffentypen, vom Snipergewehr bis hin zum Raketenwerfer und natürlich die obligatorischen Alienwaffens wie Nagelkanone und sonstigen, bunt spritzenden Lasergedöns. Die Feinde verhalten sich nach wie vor intelligent und weichen aus, gehen in Deckung oder holen Verstärkung. Der Legendär-Modus wirkt aber deutlich einfacher, als erwartet, vorallem im Koop mit 3 Mitspielern stellt selbst dieser keine große Herausforderung dar. Die Grafik kann sich mit aktueller Konkurrenz im direkten Vergleich nicht ganz messen, ist aber dennoch auf hohem Niveau. Die Animationen der Figuren in den Cutscenes wirken für meinen Geschmack etwas zu hölzern, die Atmosphäre in den Levels ist aber immer stimmungsvoll und wird von einem großartigen Soundtrack gut in Szene gesetzt.

Fazit
Halo 3 ODST merkt stets an, dass hier ganz klar ein Addon zu einem Vollpreisspiel aufgepumpt wurde. Es ist ein Ansammlung von Einzelelementen, die je nach persönlicher Ausgangslage einen Kauf rechtfertigen oder nicht. Der Singleplayer-Modus ist eine solide, aber kurze Shooter-Kost mit einigen Highlights und leider aber auch langweiligen Zwischenphasen. Halo-Fans werden in diesen 4-6 Stunden aber auch ohne den Masterchief gut bedient und finden die eine oder andere Anspielung und Story-Puzzletücke um das geliebte Universum herum.
Neulinge dagegen müssen sich bewusst sein, dass Sie in der Kampagne durch fragmentierte Episoden stolpern, die zwar gute Action liefern, den Sinn oder Zusammenhang des Ganzen aber nicht mal im Ansatz erklären. Für diese wiederum liegt dem Spiel jedoch der komplette Halo 3 Multiplayer-Modus vor, was als Entschädigungs-Angebot mehr als akzeptabel klingt. Und last but not least haben wir da noch den genialen „Firefight“-Modus, der die Multiplayer-Wertung wirklich in die Höhe schnellen lässt. Freunde von kooperativen Spielen können unbesorgt zugreifen, denn auch die Kampagne macht zu viert im Koop deutlich mehr Spaß. Und spätestens wenn wir stundenlang mit drei Freunden Welle über Welle von Alienhorden abwehren spielt es am Ende auch ehrlich keine Rolle mehr, ob wir wissen, warum uns die Aliens eigentlich angreifen oder ob die Kampagne nun 4 oder 5 Stunden dauert. Wir ignorieren die komischen Micky Maus-Stimmen der kleinen laufenden Kartoffelecken, laden unsere Laserfunzel nach und freuen uns, dass wir uns für einen Kauf entschieden haben.

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