Review: Need for Speed Shift

Dunkel Hell
Review: Need for Speed Shift

Need for Speed: Shift ist bereits der 14. Ableger der weltbekannten Rennspielserie, die weltweit eben ihr 100.000.000 verkaufte NFS Spiel feierte. Nach einigen eher mittelprächtigen Teilen der letzten Jahre waren die Vorschusslorbeeren wie auch die Erwartungen für den neuesten Ableger sehr hoch. Nach den fragwürdigen Abstechern in den Untergrund mit wilden Tuningorgien und einem daraufhin ausbleibendem Erfolg beschloss EA in einer „Qualitätsoffensive“ die Aufgabe zu einem Reload der Serie an ein neues Studio zu vergeben. Die Wahl fiel dabei für den Ableger mit dem Namen „Shift“ auf „Slightly Mad Studios“, die sich bereits mit der GTR Serie im Rennspielbereich einen Namen gemacht hatten. Das Experiment ist, soviel kann man wohl vorwegnehmen, geglückt. Denn NFS macht wieder Spaß!

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Die Karriere
Das Herzstück von Shift bildet der Karrieremodus, der glücklicherweise ohne Story oder sonstigem Ballast auskommt. Wir sind ein junger Aspirant des Rennsportes und stellen unser Können unter Beweis. Dazu sammeln wir in klassischen Rundkurs-Rennen auf Strecken nach realen Vorbildern Sterne und Geld. Geld benötigen wir selbstverständlich wie in jedem guten Rennspiel um unsere Garage mit den neuesten Boliden aufzustocken und für verschiedene Ausbaustufen unserer existierenden Wägen. Die Auswahl der 70 Autos ist sehr ansprechend und mit den vielfältigen Editiermöglichkeiten können wir auch unserer kreativen Ader freien Lauf lassen. Nach und nach spielen wir hier neue Lacke, Felgen, etc. frei und schrauben uns so genretypisch unser Traumauto zusammen. Sterne erhalten wir erstmal für unsere Platzierung im Rennen, für einen ersten Platz gibt es 3 Sterne, für einen Bronzeplatz noch einen. Zusätzlich dazu haben wir pro Rennen noch die Möglichkeit durch gewisse, sich unterscheidende „Aufgaben“ Zusatz-Sterne zu verdienen. Diese Aufgaben sind unaufdringlich vorhanden, stören uns nicht im Rennen und sind rein optional. Diese Sterne erhalten wir zum Beispiel für besonders faires (oder auch besonders skrupelloses) Verhalten im Rennen oder das Meistern aller Kurven auf Ideallinie ohne das unser Heck ausbricht. Dieses Sternesammeln schaltet uns neue Rennmodi, Strecken und Aufgaben frei, auf denen wir wiederrum Sterne sammeln können. Dieses Sternesystem ist sehr motivierend und bietet uns gleichzeitig genügend Freiheiten, den Karrieremodus nach unseren Wünschen zu gestalten. Gefällt uns ein bestimmer Rennmodi nicht oder ist uns eine Strecke zu schwer, sammeln wir die Sterne einfach auf einer anderen Strecke ein und kommen dennoch weiter voran. Gut gelöst! Neben den Sternen gibt es auch noch euren Erfahrungslevel. Ähnlich wie die Kudos-Punkte bei Gotham Racing erhaltet ihr für bestimmte Aktionen Punkte auf eurer Erfahrungskonto für „Präzision“ oder „Agression“.

needforspeedshift03Schwierigkeitsgrad
Apropos gut gelöst: Shift überlässt es dem Spieler, wie stark er vom klassischen Arcade-Racer, der NFS lange Zeit war abweicht. Das Spiel wirft uns zu Beginn direkt auf die Strecke mit dem Hinweis, dass wir nach einer Testfahrt einen Vorschlag erhalten, welche Fahrhilfen wir ein- und ausschalten können. Die Hilfen sind vielzählig und reichen von ABS, ESP  und Traktionskontrollen  bis hin zur eingeblendeten Ideallinie, die  dynamisch farblich anzeigt, ob man noch zu schnell für die anstehende Kurve ist. So kann man sich den Simulationsgrad sehr individuell einstellen und wird keine Frustmomente durch den zu harten Schwierigkeitsgrad erfahren. Unabhängig davon läßt sich natürlich auch die Fahrer-KI hoch und runterschrauben.

Die Events
Neben den klassischen Rundkursen stehen euch folgende Rennmodi in 18 unterschiedlichen Plätzen in 37 Strecken zur Auswahl:

  • Duelle: Gewinnt 2 von 3 Rennen gegen einen gegnerischen Fahrer auf einer A nach B Strecke
  • Drift-Events: Driftet in 3 Runden und sammelt dafür Punkte.
  • Zeitrennen: nicht die Platzierung zählt sondern eure beste Rundenzeit
  • Werksmeisterschaften: Alle Fahrer bekommen das gleiche Auto gestellt

Grafik und Sound
Shift bewegt sich grafisch auf sehr hohem Niveau und kann auf voller Linie überzeugen, die Strecken und Autos sind sehr detailliert, das Spiel läuft ruckelfrei und vor allem die Innenansicht der Cockpits ist nicht nur sehr aufwändig gestaltet sondern zeigen euch auf den Displays auch die korekkten Zahlen und Werte an und die Bewegungen der Fahrerhände (und Füße!) stimmt genau mit dem überein, was ihr macht. Der Sound ist bombastisch, die Motor- und Bremsgeräusche klingen sehr authentisch (Verzeiht, aber ich habe noch keinen Drift bei 300km/h ausprobiert). Sehr gut gefallen hat mir, dass in den Rennen keine Musik läuft, hier ist die Aussage eindeutig: Der knackige Motorsenound ist hier der Leadsänger.

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Intensives Fahrerlebnis
Neben den unzähligen Features und der tollen Grafik fällt bei Shift vor allem eins aus. Das Spiel zieht einen unglaublich in seinen Bann, man spürt die Geschwindigkeit und die Power der Motoren und Unfälle spürt man annähernd körperlich. Woran das liegt? An der kongenialen Cockpit-Ansicht, die das Team von Slightly Mad dem Spiel spendiert hat. Der Clou daran? Ihr erlebt in dieser Ansicht alles aus den Augen im Kopf des Fahrers, der wie ein richtiger Fahrer den Flieh- und Beschleunigungskräften ausgesetzt ist. Das bedeutet, dass sich eure Perspektive verändert, wenn ihr stark beschleunigt und bremst und in Kurven spannen sich wortwörtlich eure Nackenmuskeln an um euren Kopf gegen die Fliehkraft zu stemmen. Bei einem Unfall simuliert das Spiel die dadurch entstehende Orientierungslosigkeit durch Verlust der Farben und der Schärfe, ihr seht nach schweren Unfällen für ein paar Momente alles sehr stark verschwommen und einfarbig. Ihr müsst euch wirklich kurz neu orientieren. Bei hohen Geschwindigkeiten erhaltet ihr aufgrund des heraufziehenden Tunnelblicks regelrecht Erfurcht vor dem Speed und ertappt euch dabei, auf grader Strecke vom Gas zu gehen! So müssen Rennspiele sein! Mit dieser Neuerung hat sich das Team wirklich selbst übertroffen und das geschafft, was sich viele (Renn)-Spiele wünschen: Das völlige Versinken im Spiel!

Multiplayer
Hier zeigt sich leider die größte Schwachstelle dieses tollen Spieles. Ihr könnt zwar ohne großen Heckmeck einfach ein paar Freunde aus der Freundesliste oder gegen anynomye Live-Spieler eine Runde auf den gesamten Strecken fahren, das war’s dann aber auch schon. Optionsvielfalt sucht ihr vergeblich, ihr könnt weder mehrer Rennen zu einer Rennserie kombinieren noch bekommt ihr eine Art Übersicht geboten, wer wieviele Rennen gewonnen hat. Ihr seht nichtmal die Rundenzeiten der letzen gefahrenen Strecken. Hier bietet selbst die Forza2 Konkurrenz deutlich mehr Auswahl für Multiplayer-Partien.

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Sehr schön gelungen dagegen ist die Verbindung zwischen Single- und Multiplayer-Modus. Ihr nehmt alle erfahrenen Punkte für euren Fahrerlevel mit in den Singleplayermodus, vorbildlich!
Sind wir mit dem Onlineservice von EA verbunden, werden uns bei der Streckenauswahl kleine Icons angezeigt. Ein grünes Icon bedeutet, wir sind der beste Fahrer auf dieser Strecke in unserem Freundeskreis! Hell yeah! Ein rotes Icon mit Namen des Spielers lacht uns dagegen geradezu höhnisch aus. Wenigstens wissen wir dadurch, wem wir das unter die Nase reiben, wenn  wir die Strecke wieder für uns beansprucht haben. Motivierend und Herausfordernd!

Fazit
EA’s Taktik ist zum Glück aufgegangen. Die Wahl, Slightly Mad Studios mit einem neuen, von Grund auf anderem Need For Speed zu beauftragen war die richtige Entscheidung. Mit Shift ist eines der besten Rennspiele dieses Jahres erschienen, der sich trotz der starken Konkurrenz einen festen Platz auf den Siegertreppchen der Spieler sichern können wird. Empfehlen können wir diesen Ableger der Serie vorallem für Singleplayer die keine Lust auf Tuning-Orgien haben und tendenziell lieber etwas arcadiger fahren möchten. Ausprobieren sollten es Rennspielfans auf alle Fälle, die dynamische Cockpit-Ansicht ist das beste neue Feature in Rennspielen seit vielen Jahren und wird sich hoffentlich als Standard etablieren.

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